Es geht nach Osten- in Richtung Küste! Die öffentliche Bus- bzw. Bootsverbindung zwischen La Fortuna und dem idyllischen Tortuguero ist die schlechteste des Landes. Ganze fünf mal müssen wir umsteigen, und trotz des morgendlichen Aufbruches schaffen wir es nicht, die Distanz von 140 km an einem Tag zu meistern- wir bleiben in Cariari kurz vorm Ziel hängen... Doch dann kann endlich das Regenwald-Abenteuer beginnen!

Schon die Anfahrt wird zum Abenteuer: Mit dem Motorboot geht es im Schritttempo den Rio Tortuguero hinunter. Der Fluss hat jetzt zum Ende der Trockenzeit extremes Niedrigwasser und mehr als einmal bleiben wir auf einer Sandbank hängen. Umso mehr Zeit bleibt uns, die üppige Natur zu bewundern.
Uns wird ein herzlicher Empfang bereitet. Bis vor 50 Jahren lebten die Menschen hier vom Schildkrötenfang. Heute genießen die seltenen Meeresbewohner den Schutz, den der Nationalpark und diverse Naturschutzorganisationen ihnen bietet. Im boomenden Touristenland Costa Rica ist eine lebende Schildkröte mehr wert als eine Erlegte.
Tortuguero ist umgeben von Süß- und Salzwasser und ausschließlich mit dem Boot erreichbar. Kein Wunder also, das hier und da imposante Relikte größerer Schiffe vor sich hin rosten.
Wir beziehen Quartier in einer hübschen, aber bescheidenen Unterkunft mit Strand- und Poolblick. Die Zimmer sind nur bedingt Moskitogeschützt, und wehe wehe, wenn eine liegengelassene offene Packung Kekse den Ameisen zum Festmahl wird!
Der schwarze Strand vulkanischen Ursprungs wird in der tropischen Mittagssonne unglaublich heiß. So buddelt Tilia lieber im Schatten ein Loch. Schildkröteneier haben wir allerdings keine gefunden- zum Glück!
Der Nationalpark Tortuguero ist von kleinen Flüssen und Kanälen durchzogen und damit prädestiniert für eine Bootstour. Mit unserem Kanu paddeln wir bis in den letzten Winkel des ansonsten undurchdringlichen Regenwaldes vor. Bei einem Jahresniederschlag von 6000 mm ist es nicht verwunderlich, dass wir unterwegs von einem tropischen Regenguss überrascht werden.
Tilia hält unerschrocken nach einem der berüchtigten Flusskrokodilen ausschau.
Mitten im Blättermeer, unsichtbar für das ungeschulte Gringoauge, entdeckt unser Guide einen grünen Drachen im Geäst.
Dieser Blaureiher, der erst mit zunehmendem Alter seine namensgebende Farbe annehmen wird, ist auch für uns leicht zu erkennen.
Hier bleiben Hände und Füße besser innerhalb des Bootes: am Ufer lauert ein Kaiman auf unvorsichtige Blaureiher und Babyhände.
Wie eine grüne Wand präsentiert sich uns der prächtige Regenwald. Mit unsichtbarer Hand waltet und regiert Mutter Natur und bewahrt das Gleichgewicht besser als der Mensch es könnte.
Auf unserer anschließenden Wanderung auf dem schmalen Landstreifen zwischen der Süßwasserlagune und dem karibischen Meer begegnen wir unzähligen Echsen und Krebsen.
Abends zum Sonnenuntergang fahren wir nochmals mit dem Kanu hinaus auf die Lagune.
Tilia hat schon eine scharfen Blick fürs Wesentliche entwickelt. Dies ist in diesem Falle allerdings weniger der fantastische Sonnenuntergang, sondern mehr die verführerische Frucht!
Hier hat nicht etwa eine eierlegende Schildkröte ihre Spuren im Sand hinterlassen, sondern unser aktives Baby!
Hier in der Region sind sage und schreibe vier der acht weltweit existierenden Meeresschildkröten heimisch. Zur Zeit kommen jede Nacht etwa 10 riesige Lederschildkröten am über 20km langen Küstenabschnitt des Nationalparkes zur Eiablage an Land. Es gehört also etwas Glück dazu, im Rahmen einer nächtlichen Tour diese magische Begegnung zu erleben. Ab 18 Uhr ist der Strand zum Schutz der Meeresbewohner für die öffentlichkeit gesperrt, denn die vom aussterben bedrohten Tiere sind extrem lichtempfindlich. Erst wenn die Lederschildkröte mit der Eiablage begonnen hat, stört sie aufgrund des Hormonfeuerwerkes selbst das Blitzlichtgewitter der Touris nicht die Bohne.
Die Ausmaße der Lederschildkröte sind unfassbar: Auf diesem Bild sind die Seitenknochen des Panzers zu sehen. Exemplare von über 2m Länge und einem Gewicht von 800kg sind keine Seltenheit.
Mit diesen imposanten Naturerlebnissen im Gepäck machen wir uns auf nach Südosten, zu unserer letzten Station an der Karibikküste...
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