Sonntag, 28. April 2013

Tag 40-45: Wasser und Feuer- Rio San Juan und Vulkan Arenal


Nachdem wir auf der Hinreise nach Corn Island so durchgeschaukelt wurden, dass wir zwischenzeitlich schon einen kostspieligen Flug von Corn Island nach Managua in Erwägung gezogen hatten, keimte während der Karibikwoche die Hoffnung auf eine ruhigere Überfahrt zum Festland: Und tatsächlich- mit den Wellen ging es deutlich angenehmer zurück nach Bluefields und von dort gleich weiter nach Rama.
Es folgte eine sechsstündige Busfahrt, die unsere Nerven aufs äußerste strapazierte. Der Reisekomfort wurde nur unmerklich dadurch verbessert, dass wir an jeder größeren Ortschaft einen kurzen Stopp einlegten und eine Meute Straßenhändler den überfüllten Bus bestieg, um lautstark ihre Ware feilzubieten. Weniger als 200 km trennen die am Lago Nicaragua gelegene Stadt San Carlos von Rama- unvorstellbar, dass dafür ein halber Tag vergeht.

Unsere Route führt zunächst nach Süden an den Oberlauf des Rio San Juan, ...





























... bevor wir per Boot die Grenze zu Costa Rica überqueren und zum Vulkan Arenal fahren.


Gleich nachdem wir unser bescheidenes Nachtquartier bezogen haben, hat die Suche einer leckeren und unterstützenswerten Verpflegungsquelle oberste Priorität. Nach den halbgaren Snacks der Straßenhändler während der Busfahrt freuen wir uns auf hausgemachte Ananas-Getränke und Backfisch von Maria und ihrer Tochter. Tilias Matrosenanzug entlockt den Menschen oft den Ausruf: "Ach, was für ein niedlicher Junge!". Denn im Gegensatz zu den nicaraguanischen Mädchen, die im zarten Alter von wenigen Woche bereits Ohrringe zur besseren Identifizierung verpasst bekommen, ist unser Töchterlein noch frei von dergleichen Zierrat.


Vom höchsten Punkt der Stadt San Carlos entdecken wir unschwer einen größeren Brand östlich der Stadt. Verkohlte Blätter rieseln vom Himmel und es regnet Ascheflocken- ein trauriger Beweis für das Ausmaß des Feuers.


Anderntags passieren wir auf der Bootstour die Stelle des Brandes: Wir fahren wir durch dichten Nebel. Als wir in "El Castillo" ankommen, beginnt es glücklicher Weise zu regnen.
Wie der Name verrät, befindet sich am geschichtsträchtigen Ort eine historische spanische Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Die Anlage sollte die am flussaufwärts gelegenen See befindliche Stadt Granada vor den blutigen Angriffen der Piraten schützen, die es auf das (wiederum von den indigenen Einwohnern gestohlene) Gold in den (heiligen, katholischen, ehrenwerten) Kathedralen abgesehen hatten.


Die Burg ist von überschaubarer Größe, aber durch die intelligent gewählte Lage spielt die Festung gleich zwei Ässer aus: Erstens kann man weit flussabwärts blicken und die Kanonen ohne Hektik in Stellung bringen, und zweitens bereitet eine Stromschnelle den Schiffen damals wie heute Probleme.


Erfürchtig und beschaulich wacht die 1992 aufwändig restaurierte Burg über den Fluss. Vor 250 Jahren ging hier allerdings die Post ab, als englische Soldaten im Namen der Queen dieses Territorium erobern wollten. Bei der Belagerung kam auch der Burgkommandant ums Leben woraufhin seine taffe 19jährige Tochter das Kommando über die verbliebenen spanischen Verteidiger übernahm und letztendlich die Briten in die Flucht schlug.








Im gleichnamigen Dörfchen "El Castillo" leben die Einwohner vom Fisch- und Touristenfang. Hier freut sich ein tierisch entspanntes Schweinchen über eine kurze Streicheleinheit.


Wieder zurück in San Carlos, erleben wir nicaraguanisches Rummeltreiben. Wir entscheiden uns für die Fahrt in der selbst zusammengeschweißten Hauptattraktion: Ein klappriges Riesenrad mit geschlossenen Metallkäfigen als Gondel, angetrieben mittels ausgedientem Automotor mit Viergangschaltung, der die Kraft per Reifen auf das Riesenrad überträgt.
Dass sich die einzelnen Gondeln während der rasanten Fahrt überschlagen, mag noch gehen. Aber der Umstand, dass man in keinster Weise angeschnallt oder gesichter in der geschlossenen Kondel sitzt, machte diese Fahrt doch zum einschneidentsten Erlebnis ihrer Art. Dagegen sind Freefall-Tower und 130-kmh-Achterbahn eine gemütliche Kaffefahrt.


Eine durchaus angenehme Kaffefahrt war der Grenzübertritt nach Costa Rica auf dem Rio Frio. Wir waren etwas wehmütig- denn zum letzten Mal betreten wir ein wie immer heillos überfülltes nicaraguanisches Verkehrsmittel.


Wieder in Costa Rica, bewundern wir in den feuchten Nebelwäldern am Fuße des Vulkan Arenal einen imposanten Wasserfall, der mitten aus dem Wald hervorzuquellen scheint.


Die gigantischen Dimensionen des 70m hohen Wasserfalles werden erst deutlich, ...


... wenn man ihn schwimmend umrundet. Rechts im Bild winkt Julia durch die schäumende Gischt. Selbst mit respektvollem Abstand hat man beim Schwimmen das Gefühl, man befände sich im Sturm auf hoher See: Wellen und Wasser peitschen einem ins Gesicht, überall tosende und sprühende Wassermassen- selbst 20m entfernt von dem Punkt, wo die Wassermassen mit unglaublicher Wucht in die kreisrunde Lagune stürzen. Unvorstellbar, wie es während der Regenzeit aussehen muss!


Bei der Wanderung im Nationalpark des Vulkan Arenal begegnet uns ein gefiederter Freund, der mit seinem Spiegelbild nicht einverstanden zu sein scheint. Jedenfalls traktiert er die Heckscheibe energisch mit dem Schnabel.


Noch vor wenigen Jahren floss rotglühende Lava die Berghänge hinab. Seit drei Jahren hat sich der Arenal leider etwas beruhigt. Wenigstens können wir so den Lavastrom von 1992 besteigen, auf dem schon etliche Pionierpflanzen um Wasser und Nährstoffe konkurrieren.





Von dort hat man auch einen weiten Blick auf den Lago Arenal. Beim Anstauen dieses künstlichen Sees musste ein Dorf umgesiedelt werden. Da die Bewohner allesamt mit einem begehrten Wassergrundstück entschädigt wurden, verlief die Umsiedelung erfeulicherweise im gegenseitigen Einvernehmen.


Älter noch als besagtes Castillo ist dieser 400 Jahre alte Baum, aus dessen Holz man wahrscheinlich ausreichend Billy-Regale für alle Studenten-WG`s der ganzen Welt herstellen könnte. Da soll er doch lieber als Baum fortbestehen und den Vulkan im Auge behalten.


Dieser Baumstumpf wird von interessanten, hauchdünnen Pilzen besiedelt.


Dieser Kollege hatte etwas Lampenfieber und versteckte sich immer vor der Kamera. Bei diesem Bild konnte er jedoch nicht schnell genug hinter den Stamm klettern.


Tilia betrachtet skeptisch Land und Leute aus ihrem Tragerucksack heraus. Dank dieser tollen Erfindung sind wir mobiler, als wir es selbst mit dem besten Kinderwagen je sein könnten.


Endlich nahe des Seeufers, stellen wir fest, dass der See einst einmal mehr Wasser gehabt haben muss. Von dem ausgedienten "Panga" sind es noch 100m durch stacheliges Grün.


Kahle Baumstümpfe säumen das Ufer des Stausees- Zeugen des einstigen Regenwaldes, der hier gedieh.


Krönender Abschluss der Arenal-Tour ist ein Bad im Rio Tabacon. Es handelt sich nicht etwa um einen kalten Gebirgsfluss, sondern um einen heißen Bach, der durch vulkanisches Quellwasser auf 38°C temperiert wird.
Dieser heiße Spaß kostet keinen Pfennig- aber noch nicht lange: Denn kaum 100m Flussaufwärts existiert ein pompöses Resort, welches das vergleichbare Erlebnis für 70$ anbietet. Um das Monopol auf das warme Wasser zu haben, kauften sie das Grundstück flussabwärts und sperrten es kurzerhand ab, sodass Badewillige den teuren Eintritt berappen mussten. Dem gebot die Kommune jedoch Einhalt, indem sie das Gesetz durchsetzte, dass Flussläufe und Gewässer nicht in Privatbesitz sein dürfen.
Heute muss man nur noch eine kleine Mauer überwinden, und schwuppdiwupp hat man eine ganze Stange Geld gespart und der Abzocke ein Schnippchen geschlagen.
Der absolute Clou ist jedoch, dass genau dort noch ein zweiter, wesentlich kälterer und wesentlich kleinerer Fluss in das Thermalwasser mündet. Mit dem gezielten Umleiten und dem Bauen von entsprechenden Staus kann man sich ein kleines Becken mit der perfekten Badetemperatur schaffen. Einfach traumhaft!





Dienstag, 23. April 2013

Tag 32-40: Karibikträume auf Little Corn Island


Mit großen Schritten streben wir unserer Trauminsel entgegen. Wie wir das paradiesische Karibikinselchen erleben, verraten die folgenen Ausführungen in Wort und Bild. =)




Die Perle von Insel liegt 80km vor der nicaraguanischen Festlandküste- und ist folglich nicht ganz einfach zu erreichen. Außer man entscheidet sich für einen 100$ teuren Flug mit einer Propellermaschine von der Hauptstadt Managua.
Wir entscheiden uns für den günstigen Trip mit der "Rio Escondido". Das Schiffchen hat etwa so viele Lack-Anstriche in seinem langen Leben bekommen, wie es knausrige Touris und Einheimische transportieren kann... Bei der Fahrt durch die geschützte Lagune vor Bluefields begegnen uns Schiffe in noch schlechterem Zustand. In der nahegelegenen, verrottenden Fischfabrik gingen schon vor Jahrzehnten die Lichter aus, und damit sank der Bedarf an Fischerbooten rapide. Für die Meerestiere eine Win-Win-Situation: Sie werden nicht mehr gefangen sondern können sich sogar in den Wracks ihrer einstigen Jäger tummeln und verstecken.



Nachdem wir fünf Stunden mit der Seekrankheit gekämpft haben, erreichen wir endlich den rettenden festen Boden von Big Corn Island. Wir sind nun 400km bzw. insgesamt 7 Schiffs- und 6 Busstunden bzw. eine Flugstunde bzw. eine gefühlte Ewigkeit von der Hauptstadt Managua entfernt...


Bevor wir das Speedboat "Caribbean Express" mit der Power eines Porsches besteigen, nutzen wir die letzte Chance, um unsere Bargeldreserven aufzufüllen. Im Gegensatz zu unserem Ziel gibt es auf Big Corn Island einen Geldautomaten, der immer dann funktioniert, wenn der Dieselgenerator der Insel läuft...


Was die Sicherheit der Überfahrt anbelangt, sind wir zuversichtlich. Im Gegensatz zu den Bussen wurde das Motorboot nur mit einer Handvoll Insulanern überladen. Dann heißt es Leinen Los und Hebel auf den Tisch- wir fliegen über die Wellen und sind im Handumdrehen auf Little Corn Island! Der Trip erinnert allerdings mehr an eine Achterbahn- als an eine Bootsfahrt.


Endlich- pünktlich zu Tilias erstem Geburtstag beziehen wir unsere bescheidene Bretterbude am Strand. Hier zählt nicht das Interieur, sondern das Strandambiente. Auch wenn der Anstrich der Hütte an Skandinavien erinnert, so holt uns das Palmendach sofort wieder zurück in die wundervolle Realität: wir sind in der Karibik!



Unsere Trauminsel ist kaum größer als der Dresdner Große Garten. Es gibt weder Autos noch Straßen- das macht es noch reizvoller, die fast vollständig von weißen Korallenstränden umgebene Insel fußläufig zu erkunden



Unsere romantischsten Fantasien von karibischem Traumparadies wurden weit übertroffen: Von unserer Strandhütte blicken wir hinaus auf das kristallklare Wasser. In der Ferne brechen sich die Wellen am vorgelagerten Korallenriff. Kokospalmen rauschen im Wind, Körper und Seele baumeln in der Hängematte und denken: Verweile doch, du bist so schön!


Die immerhin 500 Frauen und Männer, Mädchen und Jungs starke einheimische Bevölkerung wird zum Glück noch nicht zahlenmäßig von den Touristen übertroffen. Alle sind freundlich und Lachen- mit gutem Grund: Dieses kleine Paradies, dieses fragile Ökosystem ist schon seit langem im Fokus von altruistischen Gringos mit Helfersyndrom. Dabei sind einige gute Dinge herausgekommen:
Um dem Müll Herr zu werden, gibt es an vielen Stellen der Insel getrennte Sammelcontainer.
Ausserdem wird an jeder Ecke gefiltertes "Aqua purificada" angeboten, womit man seine zerbeulte, noch auf dem Festland gekaufte Plasteflasche auffüllen kann. Das spart mächtig Müll- und Geld!
Auf dem Bild ist eine Art Maibaum zu sehen, der von Freiwilligen aus unschönem Strandgut gebastelt wurde, um auf die Müllproblematik in den Ozeanen aufmerksam zu machen.


Auch alte Glasflaschen finden Verwendung. Für diesen Kiosk beispielsweise haben die Insulaner sehr viel trinken müssen...
Wer in Puncto Verbesserungsmaßnamen zur Verkleinerung des ökologischen Fußabdruckes der Insel den Jackpot knacken möchte, der kann sich einen großen Windgenerator zum Ziel setzen, der den morschen Dieselgenerator ersetzt. Dieser läuft planmäßig von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr früh. Vorausgesetzt es ist genug Diesel vorhanden und der zuständige Betriebsleiter ist weder auf Reisen noch betrunken...


Bei unserem Inselspaziergang begegnen wir leider auch einem kleinen Buschfeuer, welches wir jedoch schnellen Schrittes in Fakir-Manier überqueren. ...hmm, OK, ein Fakir hat keine Teva-Sandalen an, wenn er über heiße Kohlen geht...


Wild wachsende Ananas machen das Karibik-Glück perfekt. Die Frucht im Bilde muss allerdings noch ein Jahr reifen. Die bekommt Tilia vielleicht zum 2. Geburtstag. =)


Von einigen steinigen Passagen abgesehen kann man die Insel vollständig am Strand umrunden... Traumhaft!





Tilia verfolgt aufmerksam, wie am Palmenstrand eine frisch geerntete Kokosnuss mit einem Schweizer Taschenmesser geöffnet wird.



Ob Essen oder Trinken: Bei diesem Ambiente ist eine Kokosnuss ein Hochgenuss.


Unglaublich, aber Wahr: Auch im Paradies wird gearbeitet. Eine neue Beach-Hütte ist im Entstehen. Das Dach aus verflochtenen Palmenwedeln hält bis zu 15 Jahren. Das schafft kaum ein rostiges Wellblech.
Auf dem Bild ist außerdem schon die abenteuerliche Verkabelung der Beleuchtung zu sehen- die mitnichten provisorisch ist, sondern die entgültige Lösung. Verkabelung in unserem Zimmer war noch verrückter: Zwei lose gefühte Klingeldrähte, alle einem Meter mit Isoband stiefmütterlich geflickt, schlängelten sich zur Deckenlampe. Durch die immerfeuchte salzige Luft gab es hier und da Kriechströme. So kam es oft vor, dass es beim Aufhängen der nassen Badeklamotten etwas in den Fingern kribbelte... Aber zum Glück ist der nordamerikanische Kontinent nur mit schlappen 110V verkabelt. Das macht ein junges Herz gut mit!


Bei badewannenwarmem Wasser hat Tilia lange Spaß am baden.


Um da Maß an Karibikfeeling vollzumachen, gibt es abends beim Lagerfeuer am Strand nichts geringeres als frisch gefangenen Hummer. Für 6 $ ein bezahlbares Stück Luxus.


Rock'N'Roll meets karibische Rhythmen: Eine angenehm warme Briese weht vom Meer herüber, in der Ferne leuchtet die mondbeschienene Riffbrandung, Tilia träumt einen süßen Traum im Liegestuhl und wir genießen die surreal schöne Lagerfeuerromantik.



... Die Impressionen von Strand und Meer sagen mehr als tausend Worte...













Wie erschafft man eine Allee aus Kokospalmen? Man lege viiiele Kokosnüsse in eine Reihe, halte die Temperatur zwischen 25 und 35°C und warte ein paar Jahre- vorzugsweise am (hoffentlich nahegelegenen) Strand.


Da wir den Sonnenaufgang um 5:30 auf unserer Inselseite allzuoft verpassen, machen wir uns auf, den Sonnenuntergang auf der Westseite zu genießen.


Little Corn Island hat oberhalb des Meeresspiegels unglaublich viel zu bieten. Aber auch unter Wasser geht die Wunderwelt weiter: Zusammen mit meinem englischen Tauchlehrer Gerreth erkunde ich die Riffs, die die Inseln vor allzu großen Wellen schützen. Neben der Vielfalt der Meereslebewesen und der fantastischen Korallenformationen ist es ein tolles Gefühl, sich schwerelos und dreidimensional bewegen zu können.

Gerreth ist ein Mensch mit wahrhaft britischem schwarzen Humor. Als passionierter Taucher bedankt er sich bei mir, dass die Wehrmacht im roten Meer ein fantastisches Tauch-Wrack geschaffen hat, als sie im 2. Weltkrieg eine britische Fregatte versenkte. Da kann ich nur sagen: Gern geschehen! ... aber ungern wieder.





Auch der schönste Traum geht einmal vorbei. Nach einer Woche Sommer-Palmen-Sonnenschein machen wir uns voller wunderbarer Erinnerungen wieder in Richtung Festland auf. Tief durchatmen. Wow! Der Insel müssen wir den Rücken kehren, doch die Reise geht weiter.