Granada soll um einiges sehenswerter sein als die eigentliche Haupstadt Managua, der wir nicht zuletzt auch aus Gruenden der Sicherheit nicht die Ehre eines Besuchs erweisen werden.
Wir haben das Glueck und das Pech, ausgerechnet am Osterwochenende in dieser touristischsten und von den kulturliebenden Nicaraguanern am meisten geschaetzten Stadt zu sein. Wir kommen zwar in den Genuss einiger praechtiger, musikalisch untermalter erzkatholischer Prozessionen zu kommen, allerdings muessen wir uns dieses Vergnuegen mit unzaehligen anderen Menschen teilen.

Eine der ersten Amtshandlungen in Granada ist die Reparatur meiner Teva-Sandalen. Fuer weniger als einen US-$ wird der abgeloesten Sohle mit Leim, Skalpell, Nadel und Faden ein zweites Leben geschenkt.
Gleich an zweiter Stelle steht das leibliche Wohl. Auf dem Markt finden wir alles, was das Herz bzw. der Magen begehrt.
Neben duftenden Mangos erstehen wir ein in Palmenblaettern eingewickeltes Gericht mit Maisbrei, Reis und Huehnchen, welches die Marktfrau aus einem alten Fass mit triefender, schwarzer Suppe emporgefischt hat. Dazu gibts ein "Refresco Natural", ein unglaublich suesses Kakaogetraenk, welches in einem Beutel mit Strohhalm serviert wird.
Wir geniessen den Ostersamstag in der wahrscheinlich schoensten Stadt des Landes. Die Kathedrale und viele andere Gebaude im Kolonialstil beeindrucken.
Die Flaniermeile laed auf jedem Meter zu leckeren Smoothies, Eisbechern und "Nica Libres" ein. Diese Strasse verlaesst niemand hungrig oder durstig.
Abends haben wir das Glueck, zufaellig bei einer artistischen Auffuehrung vorbeizukommen. Die Artisten sind Maedels und Jungs aus einem armen Viertel Granadas, welche in einem Zirkusprojekt Gemeinschaft und Begeisterung erleben.
Am Ostersonntag blicken wir vom besten Aussichtspunkt ueber die Stadt: Vom Kirchturm der "Iglesia de la Merced" lassen wir unseren Blick ueber das Daechermeer schweifen.
Nachmittags unternehmen wir einen Ausflug zu den Islettas, einer Kette von insgesamt 365 Inselchen vulkanischen Ursprungs, die sich am Fusse des nahegelegenen Vulkans malerisch in die Landschaft fuegen.
Leider sind die meisten der Inseln in Privatbesitz und koennen nur vom Wasser aus betrachtet werden. Die Insel auf dem Foto gehoert beispielsweise der wohlhabendsten Familiendynastie Nicaraguas. Sie verdanken ihren Reichtum diversen Rum- und Biermarken.
Diverse Inseln stehen allerdings auch zum Verkauf. So ist das Eiland des Ex-Praesidenten fuer 150.000 $ zu haben- inclusive des Hauses und zweier Motorboote.
Wer im See badet, muss mit einer besonderen Hai-Art rechnen: Jedes Jahr schwimmen viele dieser Raubtiere aus der Karibik den Rio San Juan hinauf in den See. Diesen Tapetenwechsel ueberstehen sie nur, weil sie den Salzgehalt ihres Koerpers dabei um mehr als die Haelfte senken koennen.
Unsere Bootsfahrt geht auch an einer Affeninsel, wo ein Primaten-Liebhaber vier Kletterkuenstler ausgesetzt hat.
Nach einem tollen Ausflug zu Wasser geniessen wir den Sonnenuntergang vom Boot aus.
Am Abend des Ostersonntag werden wir noch Zeuge einer festlichen Prozession, bei der der Auferstandene von singenden Engeln begleitet wird. Ein Beamer wirft ziehende Wolken an eine Leinwand, im Gefolge spielt das Strassenorchester froehliche Blechblaesser-Musik mit flotten Trommelrhytmen.
Zum feierlichen Abschluss unserer Tage in Granada gehen wir lecker essen. Tilia haette am liebsten von der Tabasco-Flasche probiert, aber dieses Vergnuegen heben wir uns noch ein paar Jahre auf.
Auf dem Weg zur benachbarten Provinzstadt Masaya legen wir einen Zwischenstopp an der kuehlsten Bademoeglichkeit des Landes: Die Laguna Ampoya liegt kreisrund im Krater eines riesigen erloschenen Explosionskraters.
In Masaya selbst bleiben wir den feuerspuckenden Bergen treu und besuchen den hochkaraetigsten und best erschlossenen Nationalpark "Volcano Masaya". In Puncto vulkanischer Aktivitaet werden wir nicht enttaeuscht! :-)
Der Blick hinunter in einen der aktivsten Vulkane des Landes ist von dichten Rauchschwaden verborgen. Manchmal kommt eine schwefelige Wolke bis zur Aussichtsplattform geweht.
Die spanischen Priester liessen hier vor ueber 400 Jahren ein Kreuz aufstellen, weil sie dachten, dieser rauchende Feuerschlot sei das Tor zur Hoelle.
Erst vor einem Jahr spuckte der Vulkan Asche und schleuderte Gesteinsbrocken bis zu 300m weit. Das bis heute nicht renovierte Picknick-Hauschen blieb davon nicht unversehrt.
In der Trockenzeit kommt es immer wieder zu kleinen Buschbraenden. Doch frisches Gruen spriesst schon wieder durch die fruchtbare Asche.
Der erloschene Krater ist schon etwas friedlicher. Troztdem wird jedem Besucher zum Schutze vor zentnerschweren, fliegenden Gesteinsbrocken ein Helm ausgehaendigt. Da hat man doch ein gutes, sicheres Gefuehl!
In der Stadt Masaya besuchen wir den beruehmtesten Markt des Landes fuer Kunsthandwerke aller Art.
Am Morgen der Abreise erleben wir das morgendliche Treiben zwischen Busterminal und Markt: Busse werden bis zum Letzten mit Menschen und Waren beladen, geflochtene Koerbe voller Ananas, Mango und Avocado sind die standartisierte Transportform-anstatt der Europalette bei uns. =)
Alles geht seinen scheinbar chaotischen Gang. Hier werden Koerbe verkauft, dort werden die Koerbe mit Obst beladen und wieder an einer anderen Ecke wird ein LKW von einem Dutzend Leuten bis unters Dach mit tropischer Waren beladen, die dann ins kuehlere Hochland transportiert werden. Und genau dahin sind auch wir nun unterwegs....
Herzlichen Dank für die tolle Berichterstattung - und ...
AntwortenLöschenHappy Birthday liebe Tilia ...
Deine Oma und Dein Opa aus Finsterwalde -
Old Germany; immernoch - für Euch sicher kaum zu glauben - mit Schneeresten vor der Tür !