Montag, 1. April 2013

Tag 14-20: Moving North- Isla de Ometepe


Zu Lande und zu Wasser erreichten wir die Insel inmitten des größten See Nicaraguas. Auf der schweißtreibenden Odyssee galt unser innigster Dank der kleinen Tilia. Denn wenngleich Nicaragua das ärmste Land Mittelamerikas ist, so ist es doch das Kinderfreundlichste. Und so dürfen Mütter mit Kind immer dorthin, wo die Schlange am Kürzesten ist: Ganz nach vorn. Und der Papa darf auch mit. =)

So blieben uns viele Stunden des Wartens an der Grenze erspart. Es war teils selbst gewähltes Schicksal, dass wir just am reiseintensivsten Wochenende des Jahres den Grenzübertritt wagen mussten: Während der "Semana Santa" fährt halb Costa Rica ins billige Nachbarland, um sich an den trockenen Stränden zu rösten.






Kaum kaben wir den Grenzübergang hinter uns gebracht und uns beim Kauf einer nicaraguanischen SIM-Karte unwissender Weise das Wechselgeld (umgerechnet 2€) in veraltetem Falschgeld auszahlen lassen, dürfen wir uns stehend in einem hoffnungslos überfüllten Bus bewusst machen, dass unser zweites Reiseland gerademal 25% des costaricanischen BIP hat. Entsprechend müssen die Ressourcen besser ausgelastet werden. =) Immerhin findet unser riesiger Rucksack noch einen luftigen Platz auf dem Dach des ehemaligen US-Schulbusses.


Im liebevoll "Chicken-Bus" genannten Fortbewegungsmittel reiben sich in der tropischen Hitze einheimische Leiber aneinander, und zuweilen gesellt sich ein schweißbedeckter Gringo dazu. Die Doppelsitze sind meist von einer ganzen Familie belegt und der Bus wird nicht nach Fläche, sondern nach Volumen beladen.

Auf folgendem Bild ist ein entgültig abgewracktes Modell zu sehen, das seinen Lebensabend im Schatten als Ersatzteilspender und Hühnerstall genießt.















Aus der Ferne glänzt uns schon der Gipfel des aktiven Vulkans "Concepción" entgegen. Doch noch steht uns eine ebenfalls überfüllte Fahrt mit der "Ferry Che Guevara" bevor.



Dann empfängt uns in der Abendsonne die Inselhauptstadt Moyogalpa. Wir finden abends Obdach in einem gemütlichen Hostal beim einheimischen Insulaner Robinson, der uns für ausgiebige Skype- und Blog-Orgien sogar seinen Privat-Laptop überlässt. Das passt!


Nach der schweißtreibenden Reise genießen die kleinen und großen Abenteurer erstmal eine Auszeit in der Hängematte, bevor wir uns abends ein kleines Mahl bei der Seniorita am Straßenrand servieren lassen: Reis, frittierte Kochbanane und Chicken vom improvisierten Holzkohlegrill.



Am folgenden Tag unternehmen wir eine Radtour zum Punto Jesus Maria- eine sandige Landzunge unweit der Inselhauptstadt.


Dort schlachten wir nicht das Schwein, welches uns am Strand Gesellschaft leistet, sondern greifen auf die vegetatische Variante zurück: eine Kokosnuss, die wir gegen einige Kekse bei den einheimischen Jugendlichen eingetauscht haben.





Tilia spielt mit großer Freude am Wasser: Kein Wunder, bei Luft- und Wassertemperaturen um die 30 Grad. Doch Wehe, wenn plötzlich eine große Welle kommt. Die Ellies haben immer ein wachsames Auge auf die kleine Nichtschwimmerin.



Der die Insel Ometepe umgebende See "Lago Cocibolca" ist immerhin 8 mal so groß wie der Bodensee und nach dem Titicacasee das größte Süßwassergewässer Lateinamerikas. Noch immer waschen die Menschen ihre Kleider auf dem Waschbrett,  im hüfthohen Wasser stehend.


... Wenn unterwegs plötzlich der Vulkan ausbricht, wissen wir, wo es langgeht. Freche Menschen machen gerne aus dem "R" ein "P", wobei "Puta" kein besonders nettes Wort ist. Welche Bedeutung dann der Hinweis "Hure der Evakuierung" haben soll, bleibt dem phantasievollen Backpacker überlassen.



Die Insel Ometepe gilt schon lange nicht mehr als Geheimtip, doch die neue Landebahn wird sicherlich ihre Spuren im Hinblick auf die Abgeschiedenheit haben. Die Piste kreuzt mitten durch die wichtigste Straße der Insel. Noch landen keine Flieger dort, doch wenn eines Tages die ersten Touris aus der Hauptstadt eingeflogen werden, dann wird wohl eine Flugzeug-Auto-Ampel nötig werden. =)






Abends genießen wir das beschauliche Nachtleben mit einem Mango-Smoothie und einer Runde Billard. Tilia sucht vergeblich die schwarze Acht sowie die weiße Kugel. Dafür muss die (dopplt vorhandene) volle Sechs und die gelbe Halbe herhalten. Billard ist in Nicaragua nicht die einzige Sache, bei der Improvisationstalent gefragt ist.




Einige Impressionen bei der Wanderung durch das Naturreservat "Charco Verde"- die grüne Lagune....


Tilia fliegt voll ab auf Badespaß und Vulkane!


Abendstimmung im Reservat "Charco Verde". In den erträglich warmen Abenstunden und der leider viel zu kurzen Dämmerung kann man die Natur am besten genießen.



Unser Hotel am Strand bietet seinen Gästen karibisch schöne Hängematten unter Kokospalmen. Dass wir uns ab und an eine Nuss pflücken, ist vermutlich nicht gewünscht... aber diese Versuchung ist einfach zu sehr "zum Greifen nahe", als dass wir widerstehen könnten!



Am nächsten Morgen machen wir uns 5 Uhr mit dem Bus auf, um kurz nach Sonnenaufgang schon die ersten Höhenmeter auf dem Weg zum Kratersee des schlafenden Vulkans Maderas zu erklimmen.


Der Wandel der Vegetation ist beeindruckend: Binnen kurzer Zeit verwandelt sich der Trocken- in Nebelwald und die staubigen Pfade werden zunächst feucht, ehe sie sich nahe des Gipfels in schlammige Matschwege verwandeln.


Wir teilen uns einen Guide mit den freundlichen Mädels Ruth und Emilia aus Barcelona. Sie helfen uns, zusammen mit Tilia so manchen Baumstumpf und so manche steile Passage zu meistern.


Oben angelangt, empfängt uns im Krater eine tolle Lagune, die leider zu schlammig zum Baden ist. Es wird von Touristen berichtet, die bis zur Hüfte im Matsch versunken waren und in einer aufwändigen Rettungsaktion herausgezogen werden mussten.


Auch beim Abstieg vergießen wir nochmals viel Schweiß. Die über 1000 Höhenmeter waren mehr als hart, aber sie haben sich gelohnt! Abends fallen wir wie gelaehmt ins Bett- nur Tilia ist top fit und braucht noch "Auslauf"... hmmm... in 10 Jahren muss sie selbst laufen!


Zum Ausgleich besuchen wir am Gruendonnerstag das Freibad "Ojo de Aqua"- das Auge des Wassers. Zwei grosse Becken mit herrlich kuehlem, kristallklaren Wasser erfrischen uns! Sie werden gespeist von Quellwasser, welches unmittelbar am Grund der Becken aus der Erde sprudelt.



Mit kleinen Snacks wird man allerorts bestens versorgt. Hier werden hauchduenne Streifen Kochbanane im Oel frittiert. Dazu wird Reis, Weisskohl und salziger, weisser Kaese serviert.



Die Tage an der Ostkueste der Insel waren enorm stuermisch. Der steife Passatwind hat am Strand interessante Muster im Sand freigelegt.



Wir suchen hinter einer Wurzel Schutz vor dem Wind.
Dass Tilia in dem suessen Matrosenanzug oft fur einen Jungen gehalten wird, stoert sie (noch) nicht. (=



Der Wind hat hohe Duenen feinen Sandes angeweht. Fùr Tilia ist es eine lustige Herausforderung, diese rutschigen Abhànge zu erklimmen.


...Wer ist schneller: Die Welle oder das Baby?



Im Sand eingebuddelt zu werden macht noch nicht allen Teilnehmern der Mittelamerika-Reise Spass... Aber watt mutt, datt mutt!



Schweren Herzens verabschieden wir uns von den tosenden Sùsswasserwellen ...


... und dem Strandhotel mit Kokosnùssen "to go".



... Aber es rufen uns neue Ufer! Das Osterfest wollen wir in Granada verbringen- der àltesten Kolonialstadt Nordamerikas!
Zu Ostern ist hierzulande die Hauptferienzeit. Und so stòmt halb Nicaracua an die Ufer des Sees und verbringt den Tag vorzugsweise mit einer Flasche "Toña"-Bier duselnd im Halbschatten des fadenscheinigen Sonnenschirms. Da fàllt der Abschied doch nicht so schwer. Und da kommt er auch schon, der US-Schulbus aus den 80ern. Die Schweissdrùsen erweitern sich schonmal prophylatisch beim Anblick des "Chicken Bus"- und dann heisst es auch schon einsteigen und abschwitzen! Granada- wir kommen! (to be continued...)



2 Kommentare:

  1. Hallo ihr Abenteurer,

    schön, dass ihr eure Reise genießt - mit den tollen Berichten versüßt ihr auch mir die Tage!
    Tilias offensichtlichen Spaß bei der Erkundung der Welt würde ich unheimlich gerne aus der Nähe erleben, ich freue mich schon darauf, sie nach der Rückkehr (in ferner Zukunft) neu kennenzulernen. Ihr nehmt alle Farbe an und seht sehr zufrieden aus. Zumindest wenn nicht gerade eine der strapaziösen Etappen zu Ende geht und ihr euch nur noch auf die Hängematte freut!
    Lasst es euch weiterhin gut gehen und die Tili euch einbuddeln, wenn sie das lieber hat!

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  2. huhu ihr drei,
    habe den blog heute entdeckt- zum neidischwerden! das mit dem selber laufen in (erst)10 jahren würde ich mir allerdings nochmal überlegen. ich gebe euch 4-höchstens :). und der affe vom strand sah ganz schön grimmig aus - dahin meine illusionen, dass tiere mit pelz per se niedlich sind!
    lieben gruß aus innsbruck, claudia

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